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Tier - Tierzucht
Projekt:
Zuchtplanung für die Erhaltung des Alten Schwarzbunten Niederungsrindes
FKZ: |
Laufzeit: |
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| 02OE475 | 01-10-2002 bis 15-12-2003 |
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Ausführende Stelle:
Universität Kassel, Fachgebiet Landnutzung und Landschaftsplanung, Nordbahnhofstraße 1a, 37213 Witzenhausen Ansprechpartner: Prof. Dr. Onno Poppinga Telefon: 05542/98-1668 Email: agland@hrz.uni-kassel.de
Kooperationspartner:
Verein zur Erhaltung und Förderung des Alten Schwarzbunten Niederungsrindes Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V.
Kurzportrait:
Ziel ist die Erarbeitung einer Zuchtstrategie, die von den Bedingungen der Praxisbetriebe ausgeht und eine Objektivierung der züchterischen Informationen für die männlichen wie für die weiblichen Tiere beinhaltet. Dafür ist es erforderlich, die Daten aller Herdbuchtiere von Betrieben, die Mitglied im Verein zur Erhaltung und Förderung des Alten Schwarzbunten Niederungsrindes sind, in Kooperation mit dem VIT (Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung) Verden zu erfassen. Anschließend wird das PC-Programm OPTIMATE zur Ermittlung der Fremdgenanteile, Verwandtschafts- und Inzuchtverhältnisse der Population eingesetzt. Zum Schluss erfolgt die einheitliche Bewertung der Herdbuchkühe sowie die Entwicklung und Durchführung eines modifizierten Töchter-Stallgefährtinnenvergleich.
Kurzfassung der Ergebnisse:
Die aktuellen betrieblichen Bedingungen der Züchter wurden mit Hilfe einer Betriebsbefra-gung ermittelt; 30 Fragebögen konnten ausgewertet werden. Davon beschrieben 66% ihren Hof als Futterbaubetrieb, 31% als Gemischtbetrieb. Die durchschnittliche Betriebsgröße betrug 88 ha; 2/3 der Betriebe verfügte über 40-80 ha. 55% der Landwirtschaftlich genutzten Fläche waren Grünland. Bei 40% der Betriebe handelte es sich um Öko-Betriebe. Sie waren deutlich häufiger Gemischt - seltener Futterbaubetriebe, hatten einen deutlich geringeren Grünland - und einen ebenfalls deutlich größeren Anteil an Ackerfutterbau. Sie sind auch in der durchschnittlichen Flächenausstattung deutlich größer. Die 30 Betriebe halten insgesamt 1.257 Kühe; von ihnen sind 452 (36%) Schwarzbunte Niederungsrinder. Knapp 2/3 aller Betriebe halten zwischen 21-40 Kühe; in dieser Größen-klasse stehen auch ca. 50% der Kühe. Auf nur sechs Betriebe stehen 43% aller DSB-Kühe! Die meisten Betriebe liegen in einem Leistungsbereich von 17-21 kg Milch je Melktag. Bei den Öko-Betrieben, auf denen fast jede zweite DSB-Kuh steht (47%!), liegt die Milchlei-stung um gut 700 kg/Jahr unter der durchschnittlichen Milchleistung. Auf 17 Betrieben stehen die Kühe in Anbinde-, bei 10 im Laufstall. Die Futtervorlage von Hand dominiert; bei 9 Betrieben kommt ein Futterverteilwagen zum Einsatz. Mit Ausnahme eines Betriebes haben alle Kühe Weidegang im Sommer (16 Betriebe Ganztagsweide). Bei der Schlachtvieh- und Kälberpreisen können nur wenige Betriebe einen Aufpreis erzielen. Zwei Drittel der Betriebe haben erst nach 1989 mit der Zucht bzw. der Einkreuzung von DSB begonnen. Mit einer Ausnahme haben alle Öko-Betriebe erst in jüngerer Zeit mit der Zucht der DSB-Tiere begonnen. Für das Interesse an der Zucht des Schwarzbunten Niederungsrindes besonders wichtig sind die Motive "Nutzungsdauer" und "Gesundheit"; dahinter folgen das Interesse an der Erhaltung einer alten Haustierrasse und an der Fruchtbarkeit der Tiere. Der Einsatz von Deckbullen ist bei den Öko-Betrieben stärker verbreitet wie bei den konventionellen. Das Exterieur von Kühen beeinflusst deren Nutzungsdauer maßgeblich und ist damit ein wichtiges Kriterium für die Zucht des Schwarzbunten Niederungsrindes. Die lineare Exteri-eurbeschreibung stellt ein relativ objektives Verfahren zur Erfassung des Exterieurs dar. Als Vorlage hierfür diente die lineare Exterieurbeschreibung, welche auch in der Deutschen Holsteinsteinzucht angewandt wird. Unterschiedliche Zuchtziele führten vor allem hinsichtlich der Bewertung zu Abweichungen. Die Kuheinstufung wurde für 504 Rinder von Dr. Wittenberg durchgeführt. Aus den Merk-malskomplexen "Typ", "Körper", "Fundament" und "Euter" entstand eine gewichtete Ge-samtnote. Kühe ab einer Gesamtnote von 85 sind dem Anhang auf S. 100 zu entnehmen. Die Verteilung der bewertenden Schwarzbunten Niederungsrinder auf einzelne Betriebe lässt eine Konzentrierung auf wenige Betriebe erkennen. Fast ein Drittel aller Rinder befindet sich auf nur drei Betrieben, wodurch die Bedrohung der Rasse erkennbar wird. Bei der Kuheinstufung wurde unter anderen auch das Alter registriert. Dabei schneiden die Schwarzbunten Niederungsrinder mit durchschnittlich 5,3 Jahren älter ab als die Deut-schen Holsteins mit 4,7 Jahren. Bei einer Beschreibung von mindestens 5 Töchtern wurde eine Charakterisierung der Bullen vorgenommen. Die Berechnungen fanden mit dem Programm LSMLMW and MIXMDL von Walter R. HARVEY (1990) statt. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um offizielle Nach-zuchtbewertungen, da durch die geringe Nachkommenzahl und der damit verbundenen Erfassung von Kühen verschiedener Laktationsstadien keine unmittelbaren Vergleiche zulässig sind. Um dennoch Aussagen treffen zu können, wurden weitere Informationen für jeden Bullen angegeben, die erst in ihrer Gesamtheit interpretierbar sind. Die Charakterisierungen befinden sich im Anhang auf S. 100. Weiterhin wurden Untersuchungen betreffend des Einflusses verschiedener Fremdgenan-teile durchgeführt, da aufgrund der geringen Nachkommenzahl auch Schwarzbunte Niede-rungsrinder mit höheren Fremdgenanteilen berücksichtigt werden mussten. Für eine Inter-pretation der Bullencharakterisierungen soll infolgedessen auf darauf hingewiesen werden, dass dabei Kühe mit einem HF-Anteil von 10 bis 30% bei den bewertenden Merkmalskom-plexen am besten abgeschnitten haben. Dies liegt an der verstärkten Milchbetonung durch den HF-Einfluss. Mit dem Programm OPTI-MATE wurde von jeder aktuellen Kuh ein Pedigree ausgedruckt. Anhand der Stammbäume ließen sich gemeinsamen Stammmütter herausfinden. Diese haben durch ihre weiblichen Nachkommen zum Teil einen erheblichen Einfluss auf die Zucht des Schwarzbunten Niederungsrindes gehabt. Die zahlenmäßig größte Kuhfamilie, mit mindestens 56 Kühen, stammt aus dem Zuchtbetrieb von Johann Christian Janshen. Die aktuelle Zuchtpopulation des Schwarzbunten Niederungsrindes wurde unter Berück-sichtigung von fünf Ahnengenerationen hinsichtlich ihrer Fremdgenanteile, des Generationsintervalls sowie der Inzucht- und Verwandtschaftsverhältnisse untersucht. Eine genaue Bestimmung des Fremdgenanteils war auf Grund ungenauer Abstammungsdaten und nicht mehr recherchierbarer HF-Anteile bei den Vorfahren, nicht möglich. Infol-gedessen wurde jede Kuh anhand ihrer Abstammungsunterlagen grob entsprechend des vermeintlichen Fremdgenanteils klassifiziert. Für die Populationsanalyse wurden nur Kühe mit einem Fremdgenanteil bis 30% berücksichtigt. Bei den Bullen fand keine entsprechende Unterscheidung statt. Insgesamt wurden die Daten von 423 weiblichen und 140 männlichen Zuchttiere in die Auswertung einbezogen. Die Generationsintervalle konnten nicht bestimmt werden, da das vom VIT gelieferte Datenmaterial zu viele fehlerhafte Geburtsdaten aufwies. Der Inzuchtkoeffizient der Zuchtpopulation beträgt 3,1%. Für die letzten fünf Ahnengenera-tionen der Gesamtpopulation errechnet sich ein mittlerer Inzuchtzuwachs von 0,8% je Generation, wobei der Inzuchtanstieg in der letzten Generation mit 1,4% für die gesamte und 1,9% für die männliche Population deutlich höher lag. Für die gesamte Zuchtpopulation wurde ein Verwandtschaftskoeffizient von 4,6% geschätzt, für die weiblichen Zuchtrinder liegt er mit 4,7% knapp darüber. Bei Betrachtung der bedeutenden Ahnen und Inzuchtverursacher wird deutlich, dass die derzeitige Zuchtpopulation von der A-Linie dominiert wird. Diese Dominanz beruht zum Teil auf der hervorragenden Vererbungsleistung des Linienbegründers, zum anderen Teil erklärt sie sich aus der jüngeren Geschichte des Schwarzbunten Niederungsrindes: In den 80iger Jahren weigerten sich Besamungsstationen Sperma von DSB-Bullen abzugeben. Den Züchtern stand nur ein sehr begrenzter Umfang an KB-Bullen zur Verfügung, teilweise mussten sie auf selbst gezogene Deckbullen zurück greifen. Die Inzuchtrate ist mit 0,9% bei den Bullen schon ziemlich hoch. Derzeit stehen den Züch-tern mehrere zukunftsweisende Bullen für den KB-Einsatz zur Verfügung, mit deren Hilfe eine weitere Einengung der Blutlinienführung vermieden werden kann. Die Zuchtwertschätzung bezieht sich auf den Gesichtspunkt Milchmenge. Zur Untersuchung konnte die gesamte Population herangezogen werden, dabei wurden Tiere mit einem Fremdgenanteil von bis zu 30 Prozent berücksichtigt. Bei der Darstellung der Charakteristika der Population wurde die Anzahl und Größe der Herden, die Zahl der Laktationen sowie die Geburtsjahre der Kühe berücksichtigt. Hier zeigte sich, dass die 402 untersuchten Tiere in 36 Herden gehalten werden, wobei 50 Prozent der Tiere sich auf nur sechs Betrieben befinden. Die Häufigkeitsverteilungder Laktationsanzahl verdeutlicht, dass einzelne Tiere bis zu 13 Laktationen durchlaufen haben, über 80 Prozent der Tiere jedoch weniger als fünf Laktationen. Die Geburtsjahre sind über den Zeitraum von 1985 bis 2001 verteilt, etwa 60 Prozent der Tiere sind nach 1997 geboren. Zur Schätzung des Zuchtwertes wurden die Laktationskleistungen seitens der Einflüsse Erstklbealter, Zwischenkalbezeit und Melktage vorkorrigiert. Anhand dieser vorkorrigierten Werte wurden Herden-, Laktations und Geburtsjahtresklassen gebildet. Die Schätzung der Zuchtwerte über die gewichteten arithmetischen Mittel der Abweichungen aller vorkorrigierten Leistungen einer Kuh vom Durchschnitt ihrer Vergleichsgruppe. Die Klassenbreiten der Untergruppen fielen aufgrund der niedrigen Zahl an Tieren relativ breit aus. Durch die Schiefe der Verteilung der Unterteilungskriterien in der Population war die ungleiche Bemessung der Klassenbreiten bedingt. Aus diesen Gründen dürfen extreme positive wie negative Ausschläge nicht überbewertet werden.
Symbolerläuterung:
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Diese Projekte sind abgeschlossen.


