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Rispenhirse als neue Methionin-Quelle für Bio-Futtermittel?

Anbauversuche mit Rispenhirse unter ökologischen Bedingungen haben ergeben, dass die Kultur überraschend hohe Gehalte der Aminosäure Methionin aufweist. Die ermittelten Mengen lagen deutlich über denen gängiger Eiweißpflanzen.

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Das macht die Rispenhirse nach Einschätzung des Forschungsteams zu einem sehr interessanten Futtermittel für die ökologische Geflügelhaltung, da Methionin als limitierende Aminosäure in Öko-Rationen gilt.

Das sind die ersten Zwischenergebnisse eines dreijährigen Forschungsprojektes, das ein Expertinnen- und Expertenteam der Fachberatung für Naturland, der Hochschule Eberswalde und VERN e.V. durchführt. Die bisherigen Anbauversuche fanden an drei verschiedenen Standorten in Bayern und Brandenburg statt. Das Projekt wird finanziert vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).

Deutliche höhere Gehalte als Ackerbohne und Erbse

Die Bestimmung der einzelnen Proteinbestandteile ergab nach Einschätzung der Forschenden überraschend hohe Methionin-Gehalte von durchschnittlich 3,54 Gramm/Kilogramm Hirse mit 88 Prozent Trockensubstanz (g/kg TM). Damit lagen die Methionin-Gehalte deutlich höher als etwa bei Futtergetreide (1,7 g/kg TM) oder klassischen Proteinpflanzen wie Ackerbohne (1,7 g/kg TM) oder Erbse (1,9 g/kg TM). Auch die Gehalte anderer schwefelhaltiger Aminosäuren wie Cystein, Lysin und Threonin fielen höher aus als erwartet.

Aus Sicht der Forschenden macht vor allem der hohe Methionin-Gehalt die Rispenhirse als Futterkomponente für die ökologische Geflügelhaltung interessant. Denn derzeit fällt es vielen Bio-Betrieben schwer, mit den verfügbaren Komponenten ausreichende Mengen der Aminosäure in einer Ration zusammenzustellen.

Wichtiger Baustein für 100-Prozent-Bio-Fütterung

Werner Vogt-Kaute von der Fachberatung für Naturland ist überzeugt, dass die hohen Methionin-Gehalte der Grund für einen Leistungsanstieg bei Bio-Legehennen sind, der in der Praxis beim Zufüttern von Rispenhirse häufig beobachtet wurde. Deshalb könnte Rispenhirse laut Vogt-Kaute zu einer 100-Prozent-Bio-Fütterung beitragen, die alle Anbauverbände in den nächsten Jahren anstreben. Auch die EU-Ökoverordnung sieht die Umsetzung der 100-Prozent-Fütterung vor.

Für die Kultur spricht aus seiner Sicht auch der relativ einfache Anbau im Ökolandbau und ihre Toleranz gegenüber Trockenheit. Rispenhirse ist im Anbau vergleichbar mit Sommergetreide und erreicht ähnliche hohe Erträge. Größere Ertragsunterschiede zwischen den Sorten konnten nicht festgestellt werden. Bei hohem Druck durch wärmeliebende Unkräuter wie Melde ist es aus Sicht der Forschenden sinnvoll, einen größeren Reihenabstand zu wählen, um eine Hacke einsetzen zu können. Ansonsten genügt es für eine ausreichende Unkrautkontrolle, die Kultur ab dem Dreiblattstadium zu striegeln.

Trotz des grundsätzlich großen Potenzials als Futtermittel für den Ökolandbau verweist Vogt-Kaute darauf, dass die ermittelten Werte bisher nur aus einem Anbaujahr stammen. Die Auswertung der beiden weiteren Anbaujahre müssten zeigen, wie stabil die Werte unter wechselnden Anbaubedingungen sind. Zudem sei es notwendig, die bisherigen positiven Effekte auf die Leistung von Bio-Geflügel in gezielten Fütterungsversuchen zu prüfen.

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