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Kommunen in der Pflicht: Bio in Kitas und Schulen

Noch vor wenigen Jahren galt Bio in Kitas und Schulen als wünschenswerter Zusatz. Inzwischen rückt es ins Zentrum kommunaler Ernährungspolitik. Denn was täglich auf den Tellern von Kindern landet, entscheidet nicht nur über ihre Gesundheit, sondern auch über die Zukunft unserer Umwelt und Glaubwürdigkeit in Sachen Nachhaltigkeit.

Dr. Werner Ebert, Geschäftsführer des Biostädte-Netzwerks, bringt es im Interview mit der Initiative BioBitte auf den Punkt: "Bio ist ja fast schon ein Synonym für Nachhaltigkeit. Wenn ich Nachhaltigkeit ernsthaft angehen will, komme ich an Bio gar nicht vorbei."

Dreifach wirksam: Für Kinder, Umwelt und Kommunen

Bio bedeutet mehr als ein positives Image. Ebert verweist auf das, was für den Ökolandbau spricht, wie "die CO₂-Speicherung im Boden, die Förderung der Biodiversität, den Schutz von Bodenlebewesen, den Gewässerschutz oder sauberes Trinkwasser."

In Kitas und Schulen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: die ausgewogene Ernährung. "Wenn man an die Verpflegung in Kitas und Schulen denkt, spielt das Thema Zusatzstoffe und Unverträglichkeiten eine Rolle. Und da sind Bio-Lebensmittel die richtige Entscheidung."

Auch Zahlen weisen auf Unterschiede hin: "Untersuchungen des Landes Baden-Württemberg zu Rückständen in Obst und Gemüse zeigen regelmäßig, dass die Belastung im Bio-Bereich deutlich geringer ist.“ Ebert ergänzt: „Im konventionellen Bereich sind rund 300 bis 400 Zusatzstoffe zugelassen – bei Bio-Lebensmitteln in Demeter-Qualität hingegen sind es zum Beispiel nur etwa 20, und die sind ausschließlich natürlichen Ursprungs."

Wer auf Bio setzt, stärkt zudem die Region. "Städte und Kommunen sollten auch aus ökonomischen Gründen aktiv werden. Stichwort: Standortsicherung, Standortvorteil, Imagepflege", so Ebert.

Umfragen zeigen, dass diese Argumente auf fruchtbaren Boden fallen: Laut Ökobarometer wären fast 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher bereit, in Kantinen mehr für ein Bio-Gericht zu bezahlen. Knapp drei Viertel wünschen sich, dass Großküchen und Mensen stärker auf nachhaltige Landwirtschaft setzen.

Vom Förderprogramm zur gelebten Praxis

"Grundsätzlich muss man festhalten, dass das Thema Bio langsam, aber sicher in den Kommunen ankommt. Immer mehr Städte und Gemeinden werden darauf aufmerksam und aktiv“, sagt Ebert.

Gleichzeitig wächst der Druck auf diejenigen, die noch nicht handeln: "Kommunen, die bislang gar nichts machen, geraten inzwischen zunehmend in Erklärungsnot. Sie müssen sich rechtfertigen, warum sie sich nicht engagieren."

Förderprogramme von Bund und Ländern sowie Beratungs- und Vernetzungsangebote erleichtern inzwischen den Einstieg. Und die Fortschritte sind sichtbar: "Einige Städte, die sehr weit sind, erreichen inzwischen in bestimmten Einrichtungen Bio-Anteile von 80 bis 90 Prozent – mit dem Ziel, auf 100 Prozent zu kommen. Die Idee, dass Bio selbstverständlich ist, wird in diesen Kommunen allmählich Realität", so Ebert.

BioBitte macht den Unterschied

Damit mehr Kommunen diesen Weg gehen, unterstützt die Initiative BioBitte mit Leitfäden, Materialien, praxisnahen Hilfestellungen sowie Workshops und Dialogforen. Über 70 Veranstaltungen, mehr als 75 Praxisbeispiele und ein stetig wachsendes Netzwerk machen BioBitte zu einem wichtigen Motor für eine nachhaltige Ernährung und eine zukunftsfähige Lebensmittelversorgung.

Neue Beispiele guter Praxis verdeutlichen, wie der Einstieg gelingt: In Neuwied erreicht eine Landesschule für Blinde und Sehbehinderte einen Bio-Anteil von über 50 Prozent. In Dortmund liegt der Bio-Anteil in den rund 100 Kitas des städtischen Eigenbetriebs FABIDO bei 50 Prozent, während in der Mensa der Mathilde Anneke Gesamtschule in Münster täglich über 800 Essen frisch gekocht werden – mit einem Bio-Anteil von 30 Prozent. Diese Beispiele zeigen: Bio ist machbar, wenn alle an einem Strang ziehen.

Mehr Infos zur Initiative BioBitte.

Quelle: BioBitte-Pressemitteilung