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Behandlungsansätze für Weißpünktchenkrankheit

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Für Aquakulturen ist die Weißpünktchenkrankheit eine der problematischsten Erkrankungen. Eine BÖLN-Studie hat Ansätze zur Eindämmung des Befalls mit dem Parasiten Ichthyophthirius multifiliis in Forellenbeständen entwickelt.

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Ein starker Befall mit dem Wimpertierchen Ichthyophthirius multifiliis (I. multifiliis) führt in Forellenbetrieben immer wieder zu gravierenden Verlusten. Dringend gefragt sind daher alternative Methoden zur Kontrolle der Infektion. Denn bisher sind in der EU keine wirksamen Medikamente für Speisefische zugelassen. Vor diesem Hintergrund förderte das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) das dreijährige Forschungsvorhaben "AbiAqua", in dem Veterinärmedizinerinnen und -mediziner der Tierärztlichen Hochschule Hannover gemeinsam mit Fachleuten der Aquakultur ein wirksames Gesamtkonzept zur Bekämpfung der Ichthyophthiriose entwickelten. Als sehr vielversprechend erwiesen sich dabei zwei der getesteten Impfstrategien. Außerdem konnten die Forschenden nachweisen, dass eine Infektionskontrolle mittels Transmissionsunterbrechung möglich ist. Dabei machten sich das Forschungsteam den Effekt zunutze, dass das Wirtsfindeverhalten von I. multifiliis durch chemische Reize gesteuert wird.
Wirtsfindung verhindern

In dem Forschungsvorhaben ist es erstmals gelungen, die chemischen Stimuli zu ermitteln, mit deren Hilfe die infektiösen I. multifiliis Theronten ihren Wirt aufspüren. Ausgehend von diesem Effekt werden die Schwärmer zu einem ungerichteten Wirtsfindeverhalten angeregt, was die Wirtsfindung und -erkennung effektiv unterbindet.

Des Weiteren ließ sich in den Versuchen die Zahl der infektiösen Parasitenstadien im Wasser und deren Verbreitung mittels Nanofiltration erheblich reduzieren. Auch eine anhaltende Aktivierung der I. multifiliis Theronten erwies sich als wirksamer Ansatz. Durch die Zugabe von Aktivierungskomponenten verbrauchen sie deutlich mehr Energie und sind nach kurzer Zeit erschöpft. Dadurch ist für die Parasiten das Zeitfenster für das Aufsuchen des neuen Wirtes deutlich kürzer. Zudem haben die Forschenden nachgewiesen, dass sich die vom Fisch abgehenden Parasiten durch Abfangmatten wirkungsvoll entfernen lassen. Allerdings sind die getesteten Fallen-Prototypen für den Einsatz in der Praxis noch nicht geeignet und müssen noch weiterentwickelt werden.

Verbesserte Impfwirkung

Auch die Aufnahme des Impfstoffes über die Haut und dessen Wirksamkeit wurde optimiert, indem die Impfung über eine Tauchbadvakzine mit formalininaktivierten I. multifiliis mit einer Vorbehandlung der Fische in einem Ultraschallbad kombiniert wurde. Bewährt hat sich auch, den Impfstoff in die Bauchhöhle der Fische zu injizieren. So war die Haut von geimpften Regenbogenforellensetzlingen weniger stark mit I. multifiliis befallen als bei ungeimpften Kontrollfischen.

Fazit

Nach Einschätzung der Forscherinnen und Forscher bieten die entwickelten Ansätze klare Vorteile gegenüber dem Einsatz von Desinfektionsmitteln und Therapeutika in der Speisefischproduktion. Sie sind ökologisch unbedenklich, für die Betriebe erschwinglich und einfach zu handhaben. Mit der Entwicklung dieses neuen Therapieansatzes leistet das Projekt einen wertvollen Beitrag zum Ausbau der ökologischen Speisefischproduktion in Deutschland und zu einer Stärkung des Tierwohls in der Fischzucht.

Weitere Informationen

Der offizielle Titel des Forschungsvorhabens lautet: "Entwicklung alternativer, ökologisch unbedenklicher, effektiver und für Fische gut verträglicher Bekämpfungsstrategien gegen den Ziliaten Ichthyophthirius multifiliis ohne Einsatz von Therapeutika in Forellenhaltungen"

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