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Welche Haltung brauchen Beratungskräfte 2026?

Am 13. November 2025 widmete sich die zweistündige Online-Veranstaltung der Frage, welche Haltung Beratungskräfte im Jahr 2026 brauchen, um Küchen wirksam auf ihrem Weg zu mehr Bio zu unterstützen. Hier die Ergebnisse zum Nachlesen.

BLE / BioBitte / Ilja Hendel

Die Initiative BioBitte unterstützt Akteurinnen und Akteure dabei, den Bio-Anteil in öffentlichen Küchen zu erhöhen – mit Materialien, Veranstaltungen und praxisnaher Begleitung. Am 13. November 2025 widmete sich die zweistündige Online-Veranstaltung Beratungskräfte in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung der Frage, welche Haltung Beratungskräfte im Jahr 2026 brauchen, um Küchen wirksam auf ihrem Weg zu mehr Bio zu unterstützen. Rund sechzig Personen aus ganz Deutschland nahmen teil.

Nach der Begrüßung durch Eva Löwen (a’verdis) führte zunächst Prof. Dr. Denis Krämer (Hochschule Fresenius) aus einer wirtschaftspsychologischen und zukunftsforschenden Perspektive in das Thema Fokus Mensch ein. Er stellte heraus, dass Beratung im Kern ein menschlicher Prozess ist. Neben Wissen und fachlicher Expertise entscheidet vor allem die innere Haltung darüber, ob Menschen in Veränderungsprozessen erreichbar sind. "Im Beratungsprozess sitzen nie nur Fakten am Tisch, sondern immer auch individuelle Weltbilder", betonte er.  Unterschiedliche Wahrnehmungen, Erwartungen und Belastungen prägen jeden Küchenbetrieb und verlangen Beratungskräften ein hohes Maß an Empathie, Ruhe und Selbstreflexion ab.

Krämer ordnete die gegenwärtige Situation von Küchen in einen "mehrdimensionalen Wandel" ein, der Digitalisierung, Fachkräftemangel, Kosten- und Zeitdruck sowie wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit miteinander verbindet. Viele Küchenleitungen seien seit Jahren in einem Zustand permanenter Veränderung – ein Zustand, der Kraft kostet und die Aufnahme neuer Themen erschwert. "Gesunde Organisationen brauchen gesunde Menschen", so Krämer. Beratung unterstütze Menschen dabei, unter komplexen Bedingungen tragfähige Entscheidungen zu treffen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung richtete sich der Fokus stärker auf die Marktrealität und Praxis. Rainer Roehl von a’verdis spannte den Bogen vom Gesamtmarkt der Außer-Haus-Verpflegung über Bio-Tendenzen bis hin zu politischen Rahmenbedingungen und dem Bedarf an Beratungskräften. Er machte deutlich, dass Beratungskräfte 2026 stark gefordert sein werden: durch strukturelle Unterschiede zwischen Einrichtungen, regionale Unterschiede in Liefersketten, politischen Druck, steigende Qualitätsanforderungen und die gleichzeitige Präsenz verschiedener Ernährungstrends. Während einige Küchen bereits hohe Bio-Anteile realisieren, fehlen vielerorts Zeit, Ressourcen oder klare Strukturen. Trotzdem sieht Roehl eine große Chance: "Noch nie wurde so viel Energie und Geld in die Förderung von Bio in der öffentlichen Verpflegung gesteckt wie heute."

Damit diese Entwicklungen tatsächlich Wirkung entfalten, brauche es Beratungskräfte, die Übersicht schaffen und Orientierung geben können. "Beratungskräfte 2026 müssen komplexe Rahmenbedingungen ordnen und für Küchen in klare, machbare Schritte übersetzen.", so Roehl. Das bedeute auch, Bio neu zu erzählen – weg vom Bild des Komplizierten, hin zu einer verständlichen und glaubwürdigen Option, denn "Bio ist nicht kompliziert, sondern ehrlich". Die Herausforderung bestehe darin, diese Ehrlichkeit alltagstauglich zu vermitteln.

In seinem Beitrag brachte Roehl diese mögliche Erzählweise in drei prägnanten Bio-Narrativen für die Außer-Haus-Verpflegung auf den Punkt: Keine Nachhaltigkeit ohne Bio. Bio ist einfach und ehrlich. Mit Bio bin ich vorne. Die Aussagen markieren Bio als klaren Referenzrahmen für nachhaltiges Handeln, als praktisch umsetzbaren Ansatz für Küchen – und zugleich als Ausdruck einer zukunftsorientierten Haltung von Einrichtungen, die sich bewusst positionieren wollen.

Roehl betonte zudem, wer den Markt in den kommenden Jahren besonders bewegen kann: "Vergabestellen, die Bio klar und verbindlich in Ausschreibungen verankern – und intrinsisch motivierte Küchen, die sagen: ‚Bio ist für uns selbstverständlich."

Im Zusammenspiel beider Perspektiven der Votragenden wurde deutlich: Die Haltung, die Beratungskräfte im Jahr 2026 brauchen, entsteht aus der Verbindung von innerer Stabilität und systemischer Klarheit. Sie umfasst die Fähigkeit, zuzuhören, Unsicherheiten auszuhalten, die Dynamik eines Betriebs zu verstehen und gleichzeitig Orientierung in einem vielschichtigen Markt zu geben. Krämer beschrieb es als die menschliche Kompetenz, Menschen in ihrer Realität ernst zu nehmen. Roehl beschrieb es als strukturelle Kompetenz, den Weg zu mehr Bio in praktische Schritte zu übersetzen. Beide Kompetenzen kombiniert, wird Beratung für mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung wirksam.

Für die Initiative BioBitte war die Veranstaltung eine wichtige Plattform, um die Rolle von Beratungskräften zu verdeutlichen: Sie begleiten Küchen dabei, mutige Entscheidungen zu treffen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen – und tragen so dazu bei, die öffentliche Verpflegung Schritt für Schritt zukunftsfähiger zu machen.