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Forschungsprojekt WERTSCHÄTZEN - Was bringen Kooperative Lebensmittelläden?

Mit der Online-Seminarreihe "BÖL vernetzt – Bio-Wertschöpfungsketten“ bringt das BÖL Forschende und Akteurinnen und Akteure der Bio-Branche zusammen und ermöglicht Einblicke in aktuelle BÖL-Projekte. Bei dem ersten Termin in diesem Jahr ging es um das Forschungsprojekt WERTSCHÄTZEN. Darin untersucht ein Forschungsteam der Universität Gießen die Chancen und Risiken von Kooperativen Lebensmittelläden.

Verkaufstest von Möhren
Bildrechte: Uni Kassel

Was bringen Kooperative Lebensmittelläden?

Mit der Online-Seminarreihe "BÖL vernetzt – Bio-Wertschöpfungsketten“ bringt das BÖL Forschende und Akteurinnen und Akteure der Bio-Branche zusammen und ermöglicht Einblicke in aktuelle BÖL-Projekte. Bei dem ersten Termin in diesem Jahr ging es um das Forschungsprojekt WERTSCHÄTZEN. Darin untersucht ein Forschungsteam der Universität Gießen die Chancen und Risiken von Kooperativen Lebensmittelläden. 

Kooperative Lebensmittelläden sind mehr als nur ein Supermarkt. Als Gegenentwurf zum kommerziellen profitorientierten Lebensmittelhandel stehen die genossenschaftlich organisierten Mitmach-Supermärkte für transparente Preise, Fairness und Partizipation. Ihr Ziel ist es, ihre Mitglieder mit ökologisch, regional und fair produzierten Lebensmitteln zu versorgen und die Lieferanten fair zu behandeln. Vorreiter für dieses partizipative Supermarktmodell ist die Park Slope Food Coop. Die wurde vor über 50 Jahren im New Yorker Stadtteil Brooklyn gegründet und besitzt inzwischen mehr als 17.000 Mitglieder. Von New York aus ist die Idee nach Europa übergeschwappt: Mit La Louve in Paris, Bees Coop in Brüssel und Mila in Wien haben die solidarischen Mitmach-Supermärkte bei unseren europäischen Nachbarn Fuß gefasst. 

„In Deutschland sind kooperative Läden in dieser besonderen Form noch eine junge Erscheinung“, sagte Kristina Gruber, die an der Universität Gießen das BÖL-Forschungsprojekt WERTSCHÄTZEN koordiniert. Bislang gebe es deutschlandweit nur vier Kooperative Lebensmittelläden: FoodHub in München, SuperCoop in Berlin, Köllektiv in Köln und seit kurzem SuperCoop in Bremen. Damit sich das Konzept auch in anderen Regionen verbreitet, setzt das Gießener Forschungsteam im Projekt WERTSCHÄTZEN auf einen intensiven Wissenstransfer und eine enge Vernetzung zwischen den Akteurinnen und Akteuren. Daneben hat es Best-Practice-Beispiele für die Gründung neuer kooperativer Läden identifiziert. Außerdem wurden die Potentiale, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Kooperativen Lebensmittelläden und deren Bedeutung zur Stärkung bio-regionaler Wertschöpfungsketten erforscht. Dabei setzten die Forschenden auf eine große methodische Vielfalt, angefangen von Literaturstudien über Experteninterviews und Preisvergleiche bis hin zu Einkaufstagebüchern und einer Mitgliederbefragung, wie die Projektmitarbeiterin Christin von Schönfeldt darlegte. 

Die Herausforderungen von Kooperativen Lebensmittelläden schilderte Clara Menke: „Wir merken bei Events und Veranstaltungen immer wieder, dass das Konzept der Kooperativen Lebensmittelläden kaum bekannt ist und es dazu viel Erklärungsbedarf gibt.“ Für die Kooperativen sei es ein stetiges Thema, genügend engagierte Mitglieder zu finden, die bereit sind, sich stundenweise im Laden und darüber hinaus in Arbeitsgruppen einzubringen. Herausfordernd sei es für die Mitmach-Supermärkte aber auch, den Wunsch nach Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten mit der Realität in Einklang zu bringen: „Denn die Zusammenarbeit mit kleinen Bio-Betrieben aus der Region ist viel aufwändiger als mit Bio-Großhändlern. Und viele Mitglieder wissen nicht, was bio-regionale Wertschöpfungsketten konkret ausmacht.“ 

Für neue Läden sei es schwierig, Menschen zu finden, die ausreichend Zeit und Geld in die Gründung eines neuen Ladens investieren können. Aber auch das Thema Wirtschaftlichkeit sei relevant, wie Clara Menke betonte: „Am Ende des Tages sind die Kooperativen auch Wirtschaftsunternehmen und müssen finanziell gesund sein.“ Und nicht zuletzt müssten die politischen Rahmenbedingungen stimmen. So seien Kooperativen etwa bei der Standortsuche auf die Unterstützung der Politik vor Ort angewiesen.

Als Ausblick auf das Projektende kündigte Clara Menke eine Gründungswerkstatt für Mitmach-Supermärkte in Gießen im Juni 2026 an. Außerdem sind eine digitale Plattform für alle relevanten Zielgruppen und ein digitaler Leitfaden zur Gründung in Arbeit.

Weitere Informationen zum Projekt WERTSCHÄTZEN

https://www.uni-giessen.de/ibae/wertschaetzen

https://orgprints.org/id/eprint/49949/