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Bio-Tee-, Heil- und Gewürzpflanzen versprechen attraktive Wertschöpfung

Im BÖL-Projekt TeePot untersuchten Forschende der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Vereins Ökoplant e.V., was es für eine bessere Wertschöpfung von Bio-Tee-, Heil und Gewürzpflanzen braucht. Ende März stellten sie ihre Ergebnisse in der Online-Seminarreihe "BÖL vernetzt – Bio-Wertschöpfungsketten“ vor.

„Wir bewegen uns in einem Nischenmarkt, der in den letzten 20 Jahren eine wachsende Bedeutung erlangt hat“, erläuterte Simone Müller von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit der ersten Erhebung der Sächsischen Landesanstalt 2002 hat sich bei Bio-Tee-, Heil- und Gewürzpflanzen viel getan. In einer aktuellen Status-quo-Analyse der Gießener Universität und des Vereins Ökoplant e.V. wurde doppelt so viel Anbaufläche wie vor zwanzig Jahren erfasst. Dieser Anstieg spiegelt einen wachsenden Trend zum ökologischen Anbau von Tee-, Heil- und Gewürzpflanzen in Deutschland wider.

Die bundesweite Erhebung ist zentraler Baustein des BÖL-Projektes „Regionale Wertschöpfungsketten für ökologisch produzierte Tee- und Gewürzpflanzen: Potentiale, Hemmnisse, Kooperationen“ (TeePot). „Mit dem Projekt TeePot wollen wir den ökologischen Tee-, Heil- und Gewürzpflanzenanbau in Deutschland sichtbar machen und stärken – bei den Erzeugerinnen und Erzeugern, im Handel und in der Politik“, so Müller. Primäres Projektziel sei es, Entwicklungen und Entwicklungspotenziale zu identifizieren, mit denen sich größere Marktanteile für regionale Bio-Ware erschließen lassen. Der heimische Bio-Kräuteranbau verdient eine bessere Position in regionalen Wertschöpfungsketten. Hintergrund ist der große Konkurrenzdruck durch ausländische Anbieter in diesem Sektor, ihre Produkte bestimmen den Löwenanteil des hiesigen Angebots.

In ihrer Umfrage zum heimischen Bio-Kräuteranbau hat das Forschungsteam insgesamt 76 Bio-Betriebe in elf Bundesländern und 33 Unternehmen aus dem Bereich Handel und Verarbeitung befragt. Insgesamt, so zeigt die Studie, werden über 100 verschiedene Kulturen angebaut. Davon liegen für 16 Kulturen, die zusammen knapp die Hälfte der Gesamtfläche ausmachen, detaillierte Anbaudaten vor - darunter bekannte Arten wie Fenchel, Kümmel, Dill, Petersilie und Brennnessel. 

Branche mit Zukunft

Die Umfrage ergab: Die befragten Betriebe bewirtschaften eine Gesamtfläche von 1.399 Hektar. Spitzenreiter ist Bayern mit 24 Betrieben und 412 Hektar, gefolgt von Brandenburg und Hessen. Allein auf diese drei Bundesländer entfällt mehr als die Hälfte der gesamten Anbaufläche.

In puncto Wirtschaftlichkeit hat sich gezeigt: „Die Betriebe arbeiten in einem großen Spannungsfeld“, so Simone Müller. Doch trotz aller Schwierigkeiten wie Personalmangel, steigende Personal- und Energiekosten seien die Befragten mit dem Anbaubereich sehr zufrieden. Nahezu jeder zweite Betrieb will den Anbauumfang beibehalten, 30 Prozent wollen ihren Anbau sogar ausweiten und nur 16 Prozent wollen weniger Kräuter anbauen. Ebenfalls positiv schätzen die meisten abnehmenden Unternehmen die Marktchancen für heimische Bio-Kräuter ein: 67 Prozent von ihnen erkennen ein ausbaufähiges Potenzial. 

„Es ist eine Branche mit Zukunft, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, betonte Tanja Jurek von Ökoplant. Zudem sei der ökologische Kräuteranbau in Deutschland professionell, innovativ und jung. Unter den Befragten gebe es auffällig viele junge Betriebsleiterinnen und -leiter, aber auch Landwirtinnen und Landwirte, die seit 15, 20 oder mehr Jahren dabei sind und ihre Fläche seither deutlich vergrößert haben.

Als zentrale Hebel für den Ausbau des ökologischen Tee-, Heil- und Gewürzpflanzenanbaus empfahl Jurek, die Wertschöpfungskette, vom Anbau bis zum LEH, transparent zu gestalten und den Wissenstransfer durch Spezialberatung und Arbeitskreise zu intensivieren. Wichtig sei es aber auch, die Regionalität der Bio-Tee-, Heil- und Gewürzpflanzen in den Vordergrund zu rücken. Denn der Selbstversorgungsgrad für Bio-Tee-, Heil- und Gewürzkräuter lässt sich nach ihrer Einschätzung bei uns noch deutlich steigern. Für mehr Sichtbarkeit heimischer Bio-Kräuter in den Geschäften sei es wichtig, mit dem LEH zu kooperieren. Wünschenswert seien auch Fördermittel für Verbraucherbildung, etwa für Kampagnen speziell zu regionalen Tees und Kräutern. 

Als wirksamen Hebel nannte Jurek auch die Forschung, primär in den Bereichen Ertragsoptimierung, Züchtung und Klimaanpassung. Aber auch zur Konsumentenperspektive gibt es aus ihrer Sicht Forschungslücken: Wissen die Verbraucherinnen und Verbraucher überhaupt, wo ihre Tees oder ihre Kräuter herkommen? Wie sollte der Tee aussehen, damit er gekauft wird? Wie hoch ist der Bedarf in Deutschland?

Hoher Investitionsbedarf für Trocknungstechnik

Angesichts des hohen Investitionsbedarfs beim Einstieg in den Kräuteranbau plädierte das Forschungsteam für eine gezielte Förderung dieses Betriebszweigs durch die Politik. Die Investitionen für die Betriebe seien sehr hoch, besonders für energieeffiziente Trocknungstechnik und neue Hacktechnik. Herausfordernd für die Betriebe sei auch der Trocknungsprozess selbst, ergänzte Simone Müller: „Die Kräuter werden frisch im vollen Saft geerntet und müssen sofort nach der Ernte getrocknet werden, damit sie haltbar bleiben und sich kein Schimmel entwickelt.“ Dies erfordere eine Trocknungstechnik, mit der man die Kräuter zugleich schonend und in einer sehr guten Qualität trocknen kann.

Fazit: Insgesamt zeichne sich ein sehr positives Bild ab, betonte abschließend Christian Herzig, der an der Justus-Liebig-Universität Gießen das Forschungsprojekt TeePot leitet: „Es handelt sich um einen Bereich, der trotz aller Herausforderungen eine attraktive Wertschöpfung verspricht.“ Das zeige sich auch daran, dass die meisten Befragten in dem Markt bleiben wollen oder sogar noch Potenzial für einen Ausbau sehen. „Ein spannender Markt, hinsichtlich der Produkte und auch der wirtschaftlichen Chancen.“

 

Weitere Informationen:

TeePot-Projektseite

www.uni-giessen.de/bea/teepot

oekoplant-ev.de/themenschwerpunkt-wertschoepfungskettenarbeit