Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres die rund 70 Teilnehmenden und dankte allen, die sich mit “großem Elan, viel Hingabe und Professionalität für die Studie” eingesetzt haben. In ihrer Ansprache betonte Tina Andres die enorme Bedeutung der mittelständischen Lebensmittelverarbeitung: “Wertschöpfung hängt für die Höfe, aber auch für den Lebensmitteleinzelhandel entscheidend an den verarbeitenden Betrieben, die zudem extrem wichtig sind für die strategische Sicherheit unserer Nahrungsmittelversorgung.” Der Wegfall dieser Strukturen durch den Konzentrationsprozess in der Lebensmittelbranche bedeute eine gewaltige Herausforderung für den gesamten landwirtschaftlichen Sektor.
Carola Krieger vom BÖLW präsentierte die zentralen Ergebnisse der Strukturstudie zum Projekt BioVerarbeitungStark. Gefördert wurde es durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) mit Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). In einer breiten Umfrage hat der BÖLW insgesamt 380 Bio-Herstellungs- und Bio-Verarbeitungsbetriebe aus ganz Deutschland mit einem Gesamtumsatz von mehr als 2,1 Milliarden Euro hierzu befragt.
Die Erhebung hat ergeben, dass die Bio-Verarbeitung Arbeitgeber für rund 170.000 Menschen ist und stark mittelständisch geprägt ist. Mit 37 Prozent war der Anteil der kleinen Betriebe mit einem Umsatz von weniger als einer Mio. Euro am höchsten. Jedes vierte Bio-Unternehmen hat seinen Sitz in Bayern. An zweiter und dritter Stelle rangieren Baden-Württemberg (17 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (14 Prozent).
Bio-Verarbeitungsunternehmen decken breites Produktsortiment ab
Zudem hob die BÖLW-Referentin die enorme Vielfalt der Bio-Verarbeitung hervor: “Die Bio-Unternehmen decken viele Warengruppen ab und entsprechen damit dem Wunsch des Handels nach einer möglichst großen Produktvielfalt.” Und für die mit ihren wechselnden Fruchtfolgen sehr divers aufgestellten Bio-Höfe gebe es damit passende Absatzkanäle für ihre Rohwaren. Als weiteres spannendes Ergebnis der Umfrage wies sie darauf hin, dass Bio-Fleischprodukte gleichauf rangieren mit veganen Bio-Produkten auf Basis von Hülsenfrüchten.
In ihrem Fazit unterstrich Carola Krieger die große Bedeutung der Bio-Verarbeitung als Schlüsselelement in Bio-Wertschöpfungsketten und für die Stärkung der ländlichen Regionen: “Die Unternehmen zahlen vor Ort Steuern, schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze, nutzen die lokale Infrastruktur und beauftragen regionale Handwerksbetriebe.” Grundsätzlich sei ein Wachstum in der Bio-Verarbeitung zu verzeichnen, ausgelöst durch Neugründungen, aber auch durch Unternehmen, die in die Bio-Verarbeitung einsteigen, so Krieger: “Gleichwohl gab es 2024 einen leichten Knick – aktuell stagniert die Anzahl der Unternehmen. Wir merken, dass besonders kleinere, mittelständische Unternehmen anfällig sind für den Druck von außen und manche in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind.” Umso mehr brauche es eine Politik, die Vielfalt entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördert und Hürden für mittelständische und handwerklich arbeitende Betriebe abbaut. Wichtig sei es auch, neue Regeln stets unter Einbezug der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auszugestalten, gemäß dem Prinzip “Think small first”.